Gasexplosion in einem Mehrfamilienhaus

Am Morgen des 10.März 2014 ereignete sich in der Itzehoer Schützenstraße eine schwere Gasexplosion mit verheerenden Folgen.

Vermutlich unwissentlich beschädigte ein Baggerführer eine vorhandene Gasleitung während der Durchführung von Sanierungsarbeiten in der Itzehoer Schützenstraße. Die Beschädigung der Leitung trat dabei nicht im Erdreich auf, sondern im Gebäudekeller, wo das Gas unbemerkt ausströmen konnte.

Das ausströmende Gas entzündete sich später an einer nicht bekannten Zündquelle, was zu einer schweren Explosion/Detonation führte, die noch weit im Kreisgebiet zu hören war. In Folge dieses Druckanstiegs kam es zum augenblicklichen Totaleinsturz des Gebäudes und Teileinstürzen in den Nachbargebäuden.

Die im Gebäude befindlichen Personen wurden dabei teilweise verschüttet.
Ein Bauarbeiter sowie drei Bewohner des Gebäudes starben in den Trümmern.

 

Bei dem Gebäude handelte es sich um ein ca. 100 Jahre altes, in rotem Klinker errichteten Stadthaus, welches von mehreren Familien bewohnt war.

Die weiteren Folgen der Explosion waren Verletzungen von Nachbarn und Passanten sowie Beschädigungen an Nachbargebäuden, Fahrzeugen und Straßen.

Die Itzehoer Feuerwehr war zu diesem Zeitpunkt auf dem Rückmarsch von einem Kleineinsatz im Stadtgebiet. Sofort nach Alarmierung fuhr Einsatzleiter Peter Happe mit den Kräften in Richtung Unglücksstelle. Zusätzlich wurden weitere Feuerwehrkräfte durch digitale Alarmierung angefordert.
Bei Eintreffen an der Unglücksstelle kamen den Feuerwehrleuten dann bereits blutüberströmte Verletzte in der benachbarten Moltkestraße entgegen gelaufen, die gesamte Wohngegend glich einem Erdbebengebiet. Überall lagen Trümmerteile, Steine, Schutt und Glas.

Staub lag in der Luft. Nach dem Abbiegen in die Schützenstraße konnte dann das ganze Ausmaß der Katastrophe gesehen werden. Vom Haus Schützenstraße 3 war kein Stein mehr auf dem anderen. Schwere Dachbalken lagen auf den Trümmern. Es wurde sofort klar, dass das hier jenseits jeglichem "normalen" Einsatzes war. In die Häuserzeile war ein Loch gesprengt.

 

 

Sofort wurde Vollalarm für die Itzehoer Wehr gegeben, alle Feuerwehrleute wurden nun dringend gebraucht. Stein für Stein musste abgetragen werden, in der Hoffnung Verletzte zu finden, retten zu können. Schnell wurde der Staub in der Luft dabei zu einem ernsten Problem. Das Atmen fiel immer schwerer und das Arbeiten wurde durch den Staub immer problematischer. Staubschutzmasken und Getränke mussten her, diese konnten aus den Reserven bei Stadt und Kreisfeuerwehrverband organisiert werden. Hier sieht man, wie wichtig das Vorhalten von Einsatzmitteln auch über teilweise lange Zeiträume ist.

Die psychische Belastung der Einsatzkräfte wird diesen meist erst nach dem Einsatz bewusst. Um die Kameraden nicht zu überfordern und auch der körperlichen Erschöpfung entgegen zu wirken, wurde gegen Mittag dieses schwarzen Montages von den Führungskräften weiteres Personal zur Ablösung angefordert. Diese wurde durch Feuerwehren des gesamten Kreisgebiets sichergestellt. In stetigem Wechsel wurden nun die Kräfte regelmäßig durchgetauscht. Zusätzlich wurden weitere Polizeikräfte, Notfallseelsorger, Einheiten des THW, DRK, Hundestaffeln, Flugbeobachter, die Technische Einsatzleitung des Kreises Steinburg und andere Hilfsorganisationen zur Einsatzstelle geordert, um möglichst strukturiert diesen Einsatz angehen zu können.

 

Auf der Hauptfeuerwache wurde die Ver- und Entsorgung der Einsatzstelle und die teilweise Verpflegung der Einsatzkräfte durchgeführt. Der auf der Wache diensthabende Gerätewart koordinierte zusammen mit Itzehoer Kameraden die logistische Abwicklung des Einsatzes.

 

Natürlich gab es auch ein großes Aufkommen an Pressevertretern. Für diese wurden regelmäßig Presseinformationen und Interviews gegeben. Das Verhalten der Presse bei dem Einsatz war durchweg positiver Natur. Niemals stand ein "Fotograf" oder "Kameramann" im Wege. Die Zusammenarbeit war durchweg sehr gut.

Diverse Nebengebäude wurden wegen der Einsturzgefahr evakuiert. Einige dieser Gebäude werden nicht mehr zu erhalten sein.

 

Die Arbeiten dauerten noch bis in den Dienstag hinein an. Aufgrund der schwierigen Situation mussten auch immer wieder Spürhunde eingesetzt werden und Trümmerteile mit Baggern abgetragen werden, um auch den letzten Verschütteten in der Nacht des 11. März zu finden. Zeitweise waren bis zu 265 Einsatzkräfte an der Unglücksstelle im Einsatz.

Das Unglück forderte vier Menschenleben und verletzte 15 Menschen körperlich teilweise schwer. Die seelischen Schäden können nicht in Zahlen ausgedrückt werden.


Unser Mitgefühl gilt den Verwandten und Hinterbliebenden der Opfer.

 

Fotos auf dieser Seite: Ralf Faust